... aus der Direkten Aktion vom September/November. Ganz ohne Revolutionsromantik, Phrasengeschwurbel oder Verbalradikalismus. Ob deshalb der Syndikalismus in der deutschen Linken so marginal ist ist? ;-)
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Donnerstag, 19. November 2009
Dienstag, 17. November 2009
Streiken für Deutschland? Eine solidarische Kritik an den Protesten der Studierenden
Der folgende Text stammt aus einem Flugblatt über die Bildungsproteste, dass ich aus aktuellem Anlass zusammengeschrieben habe. Hier gibts das Ganze auch noch als schick gelayoutetes PDF. Falls jemand den Text gut findet und weiter verbreiten möchte: Nur zu!
Streiken für Deutschland? Eine solidarische Kritik an den Protesten der Studierenden
"HÖRSÄLE ÜBERALL IN DER WELT BESETZT!“ steht auf der Tafel. Die Großbuchstaben schreien einen geradezu an und die leicht schiefe Ausführung könnte Übermut und Enthusiasmus ausdrücken. Darunter stehen jedoch gerade mal drei Städte, eine österreichische und zwei deutsche. Aber sicherlich ist die Welt der Aktivisten und Aktivistinnen größer als das. Mag man zumindest hoffen. Denn der Großteil der von den Studierenden vorgetragenen Kritik am Bildungssystem, sowie ihre Forderungen, lassen den Eindruck entstehen, dass die unfreiwillig komische Panne auf der Hörsaaltafel doch, ganz unbeabsichtigt, etwas über eine gewisse inhaltliche Schieflage und die Begriffslosigkeit dieser Proteste ausdrückt.
Bildung statt Ausbildung?
So wird etwa ein gewisser Humboldt exhumiert und dessen Bildungsideal zur Begründung eigener Positionen herbeigezerrt. Man mag dessen Vorstellungen von Bildung als einem selbst bestimmten, der Ausbildung der eigenen Persönlichkeit und Individualität dienenden Prozess auch noch so nett finden, doch über das ganze Gerede von Idealen wird nur allzu schnell vergessen, dass die Universität kein staatlich subventioniertes Selbstfindungszentrum ist und dies auch nie war. Vielmehr sind und waren die Universitäten Schulungsorte an denen die jeweiligen Herrschenden, seien es Bischöfe, Fürsten, Faschisten oder gewählte Herrscher, sich ihr Personal heranzogen. Beamten für den staatlichen Gewaltapperat, Juristen für die Papierkriege, Architekten für die bauliche Manifestation der Herrschaft, Künstler für Prestige und Propaganda, pardon, Werbung und schließlich die Dresseure, auch Lehrer genannt, für die nächste Generation. Und dieser Sachverhalt hat sich bis heute in seinem Grundsatz nicht gewandelt.
Und überhaupt wer geht schon nur um sich zu bilden, nur aus Interesse oder Wissbegierde an die Universität? Wenn das wirklich die Regel wäre, was würde dann die stereotype Frage „Und was willst du später mal damit machen“ dann überhaupt für einen Sinn ergeben? Eigentlich ist den meisten Beteiligten klar, dass es in einem Studium höchstens am Rande um das geht, was einen eigentlich Interessiert, und dass dies selbstverständlich zurückgestellt wird, wenn der eigentliche Zweck des Studiums dadurch gefährdet wird. Nämlich: Einen Bildungstitel abzubekommen, der einem einen halbwegs sicheren und lukrativen Platz im Schoß des Staates oder der Wirtschaft verspricht.
Und selbst wenn man Bildung eine idealistischere Bedeutung geben möchte, etwas was in Richtung von „Nicht Fässer füllen, sondern Feuer entfachen“, dann kommt man doch nicht umhin, festzustellen, dass wohl alle möglichen Orte besser hierfür geeignet sind als ausgerechnet die notorische Untertanenfabrik namens Universität.
Die Studierenden allerdings haben in ihrer Kritik an der Universität dieser nicht viel mehr vorzubringen, dass sie doch bitte dem ideologischen Bild, dass sie von sich selbst produziert, entsprechen möge. Zu einer Kritik an der sozialen Funktion der Universität dringt man so nicht vor.
Mythos Chancengleichheit
Doch war die Universität früher noch einigen wenigen vorbehalten, die ohnehin in der Regel der herrschenden Klasse entstammten, ist heute die Universität für breite Schichten geöffnet. Weil aber nicht alle Gewinner sein können, im Wettkampf um die Futtertröge von Staat und Wirtschaft, kommt der Universität hier, wie auch der Schule, eine weitere Funktion zu: Selektion, die Auslese über Noten. Während früher den unteren Schichten der Zugang zur Universität von vornherein verwehrt blieb, vererben die oberen Schichten ihre Position an ihre Kinder nun über den Vorteil im Konkurrenzkampf, den sie ihnen in Form von Kapital, Beziehungen und Bildung zukommen lassen. Indem das Ungleiche gleich gemacht wird, bringen soziale Hierarchien sich selbst wieder hervor.
Den Bildungsstreikenden gefällt diese Ungleichheit in der Konkurrenz nicht, sie fordern daher die „soziale Öffnung“ der Universität und eine umfassende Studienfinanzierung, was sich in das verbreitete Schlagwort „Chancengleichheit“ übersetzen lässt. Wer aber Chancengleichheit postuliert, der geht von Anfang an von einer hierarchisch geordneten Gesellschaft, in der es unten und oben gibt, aus – lediglich die Ausgangsposition des Kampfes um die Posten soll gleich sein.
Die Forderung der Chancengleichheit hebt keine sozialen Hierarchien auf, sondern zementiert sie nur. Denn wenn nämlich vorgeblich Chancengleichheit herrscht, dann hat der Bettler sein Schicksal genauso verdient wie der Bankier, beide hatten ja schließlich die gleiche Chance, der eine hat sie genutzt, der andere eben nicht und soll sich daher gefälligst auch nicht beschweren.
Anstatt soziale Ungleichheit, Herrschaft und Ausgrenzung zu kritisieren, mokieren sie sich bloß über eine ihrer Meinung nach unfaire Form von Selektion. Ein Konservativer mag rufen „Ein jeder ist seines Glückes Schmied!“ und die Studierenden könnten antworten „Noch nicht!“.
Und selbst wenn sich nicht nur die Ausgangsposition des Kampfes um die Bildungstitel nivellieren ließe, sondern auch die Selektionsfunktion der Universität ausgehebelt würde, dann würde eben an anderer Stelle, vielleicht erst auf dem Arbeitsmarkt oder im Praktikum, selektiert werden. All dies zeigt, wie kurz eine Kritik an der Uni greift, die sich nur unzureichend mit der Gesellschaft befasst, in die sie eingebettet ist.
Bildung ein Wert an sich?
Überhaupt wollen die Studierenden die Bildung als einen Wert an sich hochhalten. Aber was ist Bildung? Bildung ist immer die Vermittlung von bestimmten Bildungsinhalten. Wer Bildung an sich als eigenständigen Wert postuliert, der kümmert sich nicht darum, welchen bestimmten Inhalt oder Zweck sie hat. Wie absurd diese Position ist, zeigt sich schon daran, wie zutiefst reaktionär, ideologisch und bestehende gesellschaftliche Zustände rechtfertigend, ein großer Teil der an den Universitäten vermittelten Inhalte sind. Dabei kann kaum ein Fachbereich ausgenommen werden. Die Theologie des Kapitals, allgemein Wirtschaftswissenschaften genannt, war mit ihrer ökonomistischen Reduktion schon zutiefst ideologisch als sie auf die Welt kam. Die Germanistik, die eigens erfunden wurde um dem deutschen Nationalismus zum Durchbruch zu verhelfen, steht dem kaum nach. Und die Geschichtswissenschaften erst, in der Vergangenheit wunderbar geeignet um die Triumphe der Feldherren zu dokumentieren oder um territoriale Ansprüche zu legitimieren. Und auch heute sind als Hüterin des Gedenkens an all die deutschen Verbrechen, aus deren Bewältigung längst eine neue Legitimationsstrategie für Deutschlands imperiale Interessen, pardon, Verantwortung überall in der Welt geworden ist, überaus nützlich.
Doch all dies ist den Bildungsstreikenden egal. Genau wie der Gebrauch, der von der Bildung gemacht wird. Mit Architektur kann man ein Wohnhaus, aber auch ein KZ bauen, mit Chemie Reinigungsmittel oder Giftgas erzeugen, die Beherrschung von Fremdsprachen kann gleichermaßen der Verständigung wie der Eroberung dienen und auch Weimar liegt schrecklich nah an Buchenau. Das alles kann die Bildung! Lediglich mit BWL kann man wohl immer wieder nur Menschen ausbeuten.
Und so haben die Studierenden nichts besseres zu tun als gegen das falsche Sein den falschen Schein zu mobilisieren.
Die böse, böse Privatwirtschaft!
Die Studierenden beschweren sich auch über die „Ökonomisierung“ der Hochschule und die zunehmende Finanzierung durch Privatunternehmen, durch die sie Einflussnahme auf Lehrinhalte befürchten. Geradezu komisch ist es allerdings, wie sich im Gegenzug der Staat und seine Institutionen als frei von Eigeninteresse vorgestellt werden, die geeignet sein sollen die Freiheit der Lehre zu garantieren. Die Realität ist anders und der Staat hat natürlich ein ausgeprägtes Interesse an einem Nachschub an führenden Beamten, Bürokraten und Lehrern die in seinem Sinne ausgebildet werden sollen. Und auch die Uni hat ein reges Interesse am Staat, was sich etwa in der verbreiteten Politberatung durch Professoren und Institute niederschlägt, so dass die Universität und der Staat oftmals bis zur Unkenntlichkeit miteinander verschmelzen. Dieser blinde Fleck in der Kritik der Bildungsstreikenden ruft zweifelhafte Solidarität hervor. Diverse Nationalisten haben sich schon zum Bildungsstreik bekannt, da sie etwa durch die Bildungspolitik die Zukunft des deutschen Wirtschaftsstandortes bedroht sehen und den Bildungsstreik als patriotischen Aufstand für die Zukunft Deutschlands.
Was bleibt vom Streik?
Es ist und bleibt natürlich vollkommen berechtigt, sich gegen die zunehmenden Disziplinierung und andere Zumutungen der letzten Studienreformen zu wehren. Jede Freiheit, jedes Recht, muss erkämpft werden, manchmal auch wiederholt. Dennoch tappen die Studierenden bei ihrer Kritik an der Uni und dem Bildungssystem in zahlreiche ideologische Fallen. Damit ihr Protest nicht als dumpf tönender und sich gleichzeitig gehorsam unter kapitalistische Verhältnisse unterordnender Aufstand der Eliten von Morgen endet, müssen sich noch einige Dinge verändern.
Vor allem sollten die Studierenden die Gelegenheit ergreifen, sich selbst zu bilden. Und zwar nicht einfach irgendwie, oder um sich selbst zu vervollkommnen, sondern kritisch um die gesellschaftlichen Verhältnisse, in denen sie leben, zu begreifen. Darüber hinaus sollte die Vorstellung aufgegeben werden, dass die Universität eine Insel in der Gesellschaft ist, deren Zustand nichts mit der Gesamtgesellschaft zu tun hat. Und zuletzt sollte man es nicht bei dem vagen „Antikapitalismus“ der in den Verlautbarungen des Bildungsstreiks manchmal mitschwingt, belassen. Vielmehr wäre es an der Zeit, eine echte Kritik am Kapitalismus vorzubringen und auch dessen Gegenbegriff, ein gewisses verpöntes Wort, dass auch mit K beginnt, wieder mit positiver Bedeutung zu füllen.
Streiken für Deutschland? Eine solidarische Kritik an den Protesten der Studierenden
"HÖRSÄLE ÜBERALL IN DER WELT BESETZT!“ steht auf der Tafel. Die Großbuchstaben schreien einen geradezu an und die leicht schiefe Ausführung könnte Übermut und Enthusiasmus ausdrücken. Darunter stehen jedoch gerade mal drei Städte, eine österreichische und zwei deutsche. Aber sicherlich ist die Welt der Aktivisten und Aktivistinnen größer als das. Mag man zumindest hoffen. Denn der Großteil der von den Studierenden vorgetragenen Kritik am Bildungssystem, sowie ihre Forderungen, lassen den Eindruck entstehen, dass die unfreiwillig komische Panne auf der Hörsaaltafel doch, ganz unbeabsichtigt, etwas über eine gewisse inhaltliche Schieflage und die Begriffslosigkeit dieser Proteste ausdrückt.
Bildung statt Ausbildung?
So wird etwa ein gewisser Humboldt exhumiert und dessen Bildungsideal zur Begründung eigener Positionen herbeigezerrt. Man mag dessen Vorstellungen von Bildung als einem selbst bestimmten, der Ausbildung der eigenen Persönlichkeit und Individualität dienenden Prozess auch noch so nett finden, doch über das ganze Gerede von Idealen wird nur allzu schnell vergessen, dass die Universität kein staatlich subventioniertes Selbstfindungszentrum ist und dies auch nie war. Vielmehr sind und waren die Universitäten Schulungsorte an denen die jeweiligen Herrschenden, seien es Bischöfe, Fürsten, Faschisten oder gewählte Herrscher, sich ihr Personal heranzogen. Beamten für den staatlichen Gewaltapperat, Juristen für die Papierkriege, Architekten für die bauliche Manifestation der Herrschaft, Künstler für Prestige und Propaganda, pardon, Werbung und schließlich die Dresseure, auch Lehrer genannt, für die nächste Generation. Und dieser Sachverhalt hat sich bis heute in seinem Grundsatz nicht gewandelt.
Und überhaupt wer geht schon nur um sich zu bilden, nur aus Interesse oder Wissbegierde an die Universität? Wenn das wirklich die Regel wäre, was würde dann die stereotype Frage „Und was willst du später mal damit machen“ dann überhaupt für einen Sinn ergeben? Eigentlich ist den meisten Beteiligten klar, dass es in einem Studium höchstens am Rande um das geht, was einen eigentlich Interessiert, und dass dies selbstverständlich zurückgestellt wird, wenn der eigentliche Zweck des Studiums dadurch gefährdet wird. Nämlich: Einen Bildungstitel abzubekommen, der einem einen halbwegs sicheren und lukrativen Platz im Schoß des Staates oder der Wirtschaft verspricht.
Und selbst wenn man Bildung eine idealistischere Bedeutung geben möchte, etwas was in Richtung von „Nicht Fässer füllen, sondern Feuer entfachen“, dann kommt man doch nicht umhin, festzustellen, dass wohl alle möglichen Orte besser hierfür geeignet sind als ausgerechnet die notorische Untertanenfabrik namens Universität.
Die Studierenden allerdings haben in ihrer Kritik an der Universität dieser nicht viel mehr vorzubringen, dass sie doch bitte dem ideologischen Bild, dass sie von sich selbst produziert, entsprechen möge. Zu einer Kritik an der sozialen Funktion der Universität dringt man so nicht vor.
Mythos Chancengleichheit
Doch war die Universität früher noch einigen wenigen vorbehalten, die ohnehin in der Regel der herrschenden Klasse entstammten, ist heute die Universität für breite Schichten geöffnet. Weil aber nicht alle Gewinner sein können, im Wettkampf um die Futtertröge von Staat und Wirtschaft, kommt der Universität hier, wie auch der Schule, eine weitere Funktion zu: Selektion, die Auslese über Noten. Während früher den unteren Schichten der Zugang zur Universität von vornherein verwehrt blieb, vererben die oberen Schichten ihre Position an ihre Kinder nun über den Vorteil im Konkurrenzkampf, den sie ihnen in Form von Kapital, Beziehungen und Bildung zukommen lassen. Indem das Ungleiche gleich gemacht wird, bringen soziale Hierarchien sich selbst wieder hervor.
Den Bildungsstreikenden gefällt diese Ungleichheit in der Konkurrenz nicht, sie fordern daher die „soziale Öffnung“ der Universität und eine umfassende Studienfinanzierung, was sich in das verbreitete Schlagwort „Chancengleichheit“ übersetzen lässt. Wer aber Chancengleichheit postuliert, der geht von Anfang an von einer hierarchisch geordneten Gesellschaft, in der es unten und oben gibt, aus – lediglich die Ausgangsposition des Kampfes um die Posten soll gleich sein.
Die Forderung der Chancengleichheit hebt keine sozialen Hierarchien auf, sondern zementiert sie nur. Denn wenn nämlich vorgeblich Chancengleichheit herrscht, dann hat der Bettler sein Schicksal genauso verdient wie der Bankier, beide hatten ja schließlich die gleiche Chance, der eine hat sie genutzt, der andere eben nicht und soll sich daher gefälligst auch nicht beschweren.
Anstatt soziale Ungleichheit, Herrschaft und Ausgrenzung zu kritisieren, mokieren sie sich bloß über eine ihrer Meinung nach unfaire Form von Selektion. Ein Konservativer mag rufen „Ein jeder ist seines Glückes Schmied!“ und die Studierenden könnten antworten „Noch nicht!“.
Und selbst wenn sich nicht nur die Ausgangsposition des Kampfes um die Bildungstitel nivellieren ließe, sondern auch die Selektionsfunktion der Universität ausgehebelt würde, dann würde eben an anderer Stelle, vielleicht erst auf dem Arbeitsmarkt oder im Praktikum, selektiert werden. All dies zeigt, wie kurz eine Kritik an der Uni greift, die sich nur unzureichend mit der Gesellschaft befasst, in die sie eingebettet ist.
Bildung ein Wert an sich?
Überhaupt wollen die Studierenden die Bildung als einen Wert an sich hochhalten. Aber was ist Bildung? Bildung ist immer die Vermittlung von bestimmten Bildungsinhalten. Wer Bildung an sich als eigenständigen Wert postuliert, der kümmert sich nicht darum, welchen bestimmten Inhalt oder Zweck sie hat. Wie absurd diese Position ist, zeigt sich schon daran, wie zutiefst reaktionär, ideologisch und bestehende gesellschaftliche Zustände rechtfertigend, ein großer Teil der an den Universitäten vermittelten Inhalte sind. Dabei kann kaum ein Fachbereich ausgenommen werden. Die Theologie des Kapitals, allgemein Wirtschaftswissenschaften genannt, war mit ihrer ökonomistischen Reduktion schon zutiefst ideologisch als sie auf die Welt kam. Die Germanistik, die eigens erfunden wurde um dem deutschen Nationalismus zum Durchbruch zu verhelfen, steht dem kaum nach. Und die Geschichtswissenschaften erst, in der Vergangenheit wunderbar geeignet um die Triumphe der Feldherren zu dokumentieren oder um territoriale Ansprüche zu legitimieren. Und auch heute sind als Hüterin des Gedenkens an all die deutschen Verbrechen, aus deren Bewältigung längst eine neue Legitimationsstrategie für Deutschlands imperiale Interessen, pardon, Verantwortung überall in der Welt geworden ist, überaus nützlich.
Doch all dies ist den Bildungsstreikenden egal. Genau wie der Gebrauch, der von der Bildung gemacht wird. Mit Architektur kann man ein Wohnhaus, aber auch ein KZ bauen, mit Chemie Reinigungsmittel oder Giftgas erzeugen, die Beherrschung von Fremdsprachen kann gleichermaßen der Verständigung wie der Eroberung dienen und auch Weimar liegt schrecklich nah an Buchenau. Das alles kann die Bildung! Lediglich mit BWL kann man wohl immer wieder nur Menschen ausbeuten.
Und so haben die Studierenden nichts besseres zu tun als gegen das falsche Sein den falschen Schein zu mobilisieren.
Die böse, böse Privatwirtschaft!
Die Studierenden beschweren sich auch über die „Ökonomisierung“ der Hochschule und die zunehmende Finanzierung durch Privatunternehmen, durch die sie Einflussnahme auf Lehrinhalte befürchten. Geradezu komisch ist es allerdings, wie sich im Gegenzug der Staat und seine Institutionen als frei von Eigeninteresse vorgestellt werden, die geeignet sein sollen die Freiheit der Lehre zu garantieren. Die Realität ist anders und der Staat hat natürlich ein ausgeprägtes Interesse an einem Nachschub an führenden Beamten, Bürokraten und Lehrern die in seinem Sinne ausgebildet werden sollen. Und auch die Uni hat ein reges Interesse am Staat, was sich etwa in der verbreiteten Politberatung durch Professoren und Institute niederschlägt, so dass die Universität und der Staat oftmals bis zur Unkenntlichkeit miteinander verschmelzen. Dieser blinde Fleck in der Kritik der Bildungsstreikenden ruft zweifelhafte Solidarität hervor. Diverse Nationalisten haben sich schon zum Bildungsstreik bekannt, da sie etwa durch die Bildungspolitik die Zukunft des deutschen Wirtschaftsstandortes bedroht sehen und den Bildungsstreik als patriotischen Aufstand für die Zukunft Deutschlands.
Was bleibt vom Streik?
Es ist und bleibt natürlich vollkommen berechtigt, sich gegen die zunehmenden Disziplinierung und andere Zumutungen der letzten Studienreformen zu wehren. Jede Freiheit, jedes Recht, muss erkämpft werden, manchmal auch wiederholt. Dennoch tappen die Studierenden bei ihrer Kritik an der Uni und dem Bildungssystem in zahlreiche ideologische Fallen. Damit ihr Protest nicht als dumpf tönender und sich gleichzeitig gehorsam unter kapitalistische Verhältnisse unterordnender Aufstand der Eliten von Morgen endet, müssen sich noch einige Dinge verändern.
Vor allem sollten die Studierenden die Gelegenheit ergreifen, sich selbst zu bilden. Und zwar nicht einfach irgendwie, oder um sich selbst zu vervollkommnen, sondern kritisch um die gesellschaftlichen Verhältnisse, in denen sie leben, zu begreifen. Darüber hinaus sollte die Vorstellung aufgegeben werden, dass die Universität eine Insel in der Gesellschaft ist, deren Zustand nichts mit der Gesamtgesellschaft zu tun hat. Und zuletzt sollte man es nicht bei dem vagen „Antikapitalismus“ der in den Verlautbarungen des Bildungsstreiks manchmal mitschwingt, belassen. Vielmehr wäre es an der Zeit, eine echte Kritik am Kapitalismus vorzubringen und auch dessen Gegenbegriff, ein gewisses verpöntes Wort, dass auch mit K beginnt, wieder mit positiver Bedeutung zu füllen.
Dienstag, 6. Oktober 2009
Bei Nacht notiert
1. Die letzte Generation von Arthur C. Clarke
Mal wieder überalterte Science-Fiction gelesen. Übermächtige Außerirdische kommen auf die Erde, führen quasi aus der Stratosphäre heraus den Kommunismus*1 ein*2, doch es kommt noch dicker: Sie zivilisieren die Menscheit nicht nur, sondern bereiten sie als Agenten eines "Übergeistes" auf die Niederkunft ihrer (der Menschen) nächsten Entwicklungsstufe vor: Telepatischen, die Materie tranzendierenden Kollektivbewusstseindsdinger. Nachdem das vollbracht ist bringt sich die verbleibende Menschheit selbst um, denn wenn eine Rasse ihre historische Mission erfüllt hat, bleibt ihr nur noch der Exitus*3. Ihre Nachfolger vereinen sich derweil mit dem Zeit äh Übergeist. Erinnert mich ein bisschen an meine Wiki-Kenntnisse über die... äh... hegelsche Dialektik. Aber hauptsächlich ist "Childhoods End" ziemlich spooky und im Grunde ein Buch, dass man ab der Hälfte guten gewissens hätte zur Seite legen können.
*1 Okay, es heißt nicht Kommunismus, aber es ist gekennzeichnet durch A) Abschaffung des Zwangs zur Lohnarbeit, Armeen und Bürokratie, sowie der Einführung einem allgemeinen Rechtes auf Wohlstand, welches nicht an individuelle Produktivität gekoppelt ist B) Wegfallen von nationalen Grenzen und Herstellung einer Weltgemeinschaft und C) Beseitigung von Rasismus und religiösem Irrationalismus.
*2 Die anthropoligische Annahme, dass erst Außerirdische daherkommen müssten, damit die Menschheit fähig würde eine vernünftige Gesellschaftsordnung zu errichten, ist bezeichnend.
*3 Warum auch immer.
Mal wieder überalterte Science-Fiction gelesen. Übermächtige Außerirdische kommen auf die Erde, führen quasi aus der Stratosphäre heraus den Kommunismus*1 ein*2, doch es kommt noch dicker: Sie zivilisieren die Menscheit nicht nur, sondern bereiten sie als Agenten eines "Übergeistes" auf die Niederkunft ihrer (der Menschen) nächsten Entwicklungsstufe vor: Telepatischen, die Materie tranzendierenden Kollektivbewusstseindsdinger. Nachdem das vollbracht ist bringt sich die verbleibende Menschheit selbst um, denn wenn eine Rasse ihre historische Mission erfüllt hat, bleibt ihr nur noch der Exitus*3. Ihre Nachfolger vereinen sich derweil mit dem Zeit äh Übergeist. Erinnert mich ein bisschen an meine Wiki-Kenntnisse über die... äh... hegelsche Dialektik. Aber hauptsächlich ist "Childhoods End" ziemlich spooky und im Grunde ein Buch, dass man ab der Hälfte guten gewissens hätte zur Seite legen können.
*1 Okay, es heißt nicht Kommunismus, aber es ist gekennzeichnet durch A) Abschaffung des Zwangs zur Lohnarbeit, Armeen und Bürokratie, sowie der Einführung einem allgemeinen Rechtes auf Wohlstand, welches nicht an individuelle Produktivität gekoppelt ist B) Wegfallen von nationalen Grenzen und Herstellung einer Weltgemeinschaft und C) Beseitigung von Rasismus und religiösem Irrationalismus.
*2 Die anthropoligische Annahme, dass erst Außerirdische daherkommen müssten, damit die Menschheit fähig würde eine vernünftige Gesellschaftsordnung zu errichten, ist bezeichnend.
*3 Warum auch immer.
Samstag, 12. September 2009
Der Anschlag - Kunstprojekt zu 9/11
Auf Youtube kann man Ausschnitte aus dem "Anschlag" sehen, einem Kunstprojekt, dass sich mit 9/11 und einer Menge anderer Themen, die damit zusammenhängen, Verschwörungstheorien, Antisemitismus usw. befasst.
Das Teil erscheint jetzt auf DVD und unter http://anschlag-performance.de/ kann Mensch sich die Dinger bestellen. Später soll das Ganze wohl noch auf einem Weblabel veröffentlicht werden - als kostenloser Download.
Das Teil erscheint jetzt auf DVD und unter http://anschlag-performance.de/ kann Mensch sich die Dinger bestellen. Später soll das Ganze wohl noch auf einem Weblabel veröffentlicht werden - als kostenloser Download.
Freitag, 4. September 2009
Faschismus 2.0 - Rechte Verschwörungstheoretiker strömen in die »sozialen Netzwerke« im Internet.
Pressefreiheit, so kritisierten Linke stets, ist die Freiheit einiger Millionäre, ihre Weltsicht zu verbreiten. Seit es das Internet gibt, kann hingegen im Prinzip jeder Informationen und Ansichten publik machen. Technologieentwicklungen der letzten Jahre haben den Gedankenaustausch weiter erleichtert. Man nennt das auch »Web 2.0«: In Unmengen von Diskussionsforen, interaktiven Blogs und »sozialen Netzwerken« kann man Bekanntschaften schließen, seine Interessen mit anderen teilen und über Gott und die Welt quasseln. Für die junge Generation sind Gesellschaftsportale wie MySpace, Facebook oder StudiVZ bereits selbstverständlicher Bestandteil des Alltags.
Menschen, die im realen Leben kontaktarme Außenseiter sind, finden hier eine zweite Chance, aber auch Leute, die aus guten Gründen in normalen Kreisen als suspekt und unerwünscht gelten. Neonazis haben von Anfang an das »Weltnetz« intensiv genutzt. Neu ist, daß die braunen Kameraden mittlerweile wie der berühmte Fisch im Wasser in einem virtuellen Biotop schwimmen. Es hat sich eine Allianz von klassischen Faschisten über paranoide Verschwörungstheoretiker bis zu unpolitischen Esoterikjüngern gebildet. Bernd Merling hat dafür die Bezeichnung »Faschismus 2.0« geprägt und eine Initiative zur Durchleuchtung und Bekämpfung obskurer Cyberkrieger gegründet (www.faschismus2.de).
Hier kann mensch den Rest des recht interessanten Artikels lesen.
Menschen, die im realen Leben kontaktarme Außenseiter sind, finden hier eine zweite Chance, aber auch Leute, die aus guten Gründen in normalen Kreisen als suspekt und unerwünscht gelten. Neonazis haben von Anfang an das »Weltnetz« intensiv genutzt. Neu ist, daß die braunen Kameraden mittlerweile wie der berühmte Fisch im Wasser in einem virtuellen Biotop schwimmen. Es hat sich eine Allianz von klassischen Faschisten über paranoide Verschwörungstheoretiker bis zu unpolitischen Esoterikjüngern gebildet. Bernd Merling hat dafür die Bezeichnung »Faschismus 2.0« geprägt und eine Initiative zur Durchleuchtung und Bekämpfung obskurer Cyberkrieger gegründet (www.faschismus2.de).
Hier kann mensch den Rest des recht interessanten Artikels lesen.
Kurz Notiert: Die Diskussion als Verkehrsunfall
Kommunisten und andere Linksradikale kennen die Konstellation vermutlich recht gut, wenn sie sich nicht gerade ausschließlich in einer ohnehin linken Szene bewegen: Alleine gegen den ganzen Tisch zu diskutieren. Massive Frontenbildung. Kaum Gelegenheit einen komplexen Gedanken auszuführen, da man ständig unterbrochen wird oder von Nebenschauplatz zu Nebenschauplatz verschleppt wird. Ideologien, die einem selbst von Personen entgegenspringen, die man für vernünftig hielt. Von Kulturrelativismus, der schon fast in Ethnopluralismus aufgeht über die Ideologie von der ahistorischen Natur des Menschen, zu Biologismus und Sozialdarwinismus. Unerträglich. Herrschaft und Ausbeutung als Geschmacksfrage. Und du musst auch mal die positiven Seiten vom Nationalismus sehen. Seinem Chef sollte man schon gehorchen, ne, weil sonst wärs ja nicht so schön friedlich. Kapitalismus und Staatsgewalt sind ja voll ok, aber die Globalisierung DIE macht alles kaputt! Immer wieder interessant ist auch ein merkwürdiger Subjektivismus der mehr oder weniger beinhaltet dass alle Menschen irgendwie andere Meinungen haben und man deshalb doch bitte allen Meinungen die gleiche Geltung zugestehen soll. Sonst ist das irgendwie schon Unterdrückung mit diesen fiesen Argumenten und so. Und überhaupt ist eh alles vollkommen Subjektiv und somit eigentlich hinfällig. Dass natürlich die Machtverhältnisse jeden Tag überall Fakten schaffen die ganz ohne Argumente außer der Gewaltandrohung auskommen, ist natürlich nicht weiter kritikabel. Denn das ist dann ja Gesetz oder halt nötig oder eben "deren Kultur". Überhaupt, wie kannst du so arrogant sein, eine andere Meinung zu haben als die Mehrheit? Hälst du dich etwa für was besseres?
Diskussionen können so unglaublich fruchtlos, abstoßend und frustrierend sein. Manchmal sind sie aber auch auf gewisse Art und Weise lehrreich. Wie ein fataler Verkehrsunfall.
Diskussionen können so unglaublich fruchtlos, abstoßend und frustrierend sein. Manchmal sind sie aber auch auf gewisse Art und Weise lehrreich. Wie ein fataler Verkehrsunfall.
Dienstag, 18. August 2009
UMS GANZE - Jetzt auch bei den Grünen!

Hat das "Ums Ganze" Bündnis eigentlich ein Copyright auf ihren Slogan? Lernen die Grünen jetzt Verbalradikalismus? Oder gehen die ganzen Verbalradikalinskis jetzt wieder wählen? Fragen über Fragen!
Ach so, von den ollen Piraten wollen sie auch gerne Stimmen saugen.
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Satire
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