Mittwoch, 3. November 2010

Der letzte Antideutsche Student IV - Mauern lernen!


Der letzte Antideutsche Student schwankt. Denn: Er hasst den Islam. Denn: Er ist die gegenwärtige Erscheinungsform des Antichristen äh der faschistischen Reaktion. Aber: Muss er deshalb auch die Muslime hassen? Einerseits Nein: Denn sie sind bemitleidenswerte Opfer einer Ideologie, die zu bekämpfen nun mal die Bürde des Weißen Mannes äh die Pflicht emanzipatorischer Bewegungen ist. Andrerseits ja: Denn Muslim zu sein ist eine politische Entscheidung, eine Entscheidung für die falsche Seite im Kampf von westlicher Vernunft und orientalischer Unvernunft. Letztere erkennt man ja schon daran, dass im Orient die Leute noch heute gesteinigt werden, während man im Westen schon lange auf das humane Mittel der Vergasung zurückgreift. Außerdem: Mit Nazis gibts ja auch kein Mitleid. Das wusste schon Lieutenant Aldo Raine und der muss es ja gewusst haben. Deshalb: Hasst der letzte Antideutsche Student jetzt auch Muslime.

Doch dann ein Schreck! Ist das nicht Ausländerfeindlich? Worin besteht noch der Unterschied zu Rechtspopulisten von Geert Wilders bis zu den Republikanern? Doch was ein richtiger antideutscher Student ist, der verzagt nicht lang. Denn: Wenn die Rechten den Islam nicht mögen, haben sie ein Ressentiment. Und was der Antideutsche nicht hat, sind Ressentiments. Denn: Die kritisiert er ja. Außerdem hat er: Ideologiekritik. Und das kann der letzte antideutsche Student sogar ganz schnell hintereinander sagen, ohne dem Zungenbrecher zu erliegen: Ideologiekritikideologiekritikidlikrt... krrt.. krr... egal. Ist die Muslimische Bevölkerung qua Ideologiekritik erstmal als Fünfte Kolonne der Gegenaufklärung ausgemacht, ist die Ausländerfeindlichkeit ihnen gegenüber kein Ressentiment mehr, sondern berechtigt. Quasi: Berechtigte Ausländerfeindlichkeit. Und dagegen kann ja wirklich keiner was sagen! Schließlich hat sich ja auch keiner darüber beschwert, dass die USA im zweiten Weltkrieg die "Enemy Aliens" interniert haben und im Krieg befinden wir uns ja schon! Siehe: 11. September, Afghanistan, Iran noch nicht aber hoffentlich bald. Und die Geburtenraten-Front sieht auch schon bedrohlich aus!

Außerdem ist die antideutsche Kritik universell, das heißt, sie hasst, anders als die Rechten, den Muslim nicht nur dort wo er nicht zuhause ist, wie in Böblingen, Mügeln oder Neu Zittau, sondern auch da, wo er herkommt. Wenn das mal kein qualitativer Unterschied ist!

So beruhigt kennt der letzte Antideutsche Student kein halten mehr: Ein neuer antifaschistischer Schutzwall muss her! Mit Schießbefehl und allem drum und dran! Da hält der letzte Antideutsche Student inne und strahlt. Denn: Der steht ja schon. Und zwar: In Israel. Und: An der Grenze der USA zu Mexiko, auch wenn es da nicht so viele Muslime gibt, aber die lassen sich bestimmt auch noch finden. So Vernünftig ist die Welt manchmal. Eins steht fest: Von Israel lernen heißt siegen lernen! Und auch wir sollten deshalb schon mal ein bisschen Mauerbau üben.

15 Kommentare:

Anonym hat gesagt…

unter dem label satire bringst du deine ressentiments zum ausdruck. ich kenne keine antideutschen, die so denken. du wahrscheinlich auch nicht. wenn doch: die nennen sich inzwischen ideologiekritisch und nicht antideutsch.

Pixel Utopia hat gesagt…

Hah! Als gäbe es da einen eindeutigen Bruch! Auf sowas wie eine konsequente Kritik oder entschiedene Distanzierung von Positionen und Diskursen, wie ich sie in dem Text verarbeitet habe, warte ich schon lange. Statt dessen gibts offenes, vielleicht manchmal etwas verschämtes Supporten von entsprechenden Organisationen und ihren Vertretern, ganz klare personelle und inhaltliche Überschneidungen mit dem Bahamasspektrum, auf das du vermutlich anspielen möchtest, eindeutige Texte in linken Zeitschriften wie der jungle world und viel Bagatellisierung der rassistischen Diskurse, in die man verstrickt ist. Natürlich ist die Satire überspitzt und ins Groteske übersteigert und vor allem in ihren fatalen Konsequenzen weiter geführt. Dennoch ist keine der zugrundeliegenden Argumentationen erfunden, sondern entsprechenden Artikeln, Blogbeiträgen und Podiumsdiskussionen, die ich rezipiert habe, entnommen. Aber ich will nicht grausam sein und hier aufhören, denn es ist ja schön eine politische Identität zu haben, nicht wahr, und als getroffener Hund hast du hier schon genug gebellt.

Anonym hat gesagt…

als einen "getroffenen hund" sehe ich mich nicht.
ich meine nur, dass dieses antideutschenbashing mit der zeit nicht mehr so originell ist - meinst du nicht?es ist nur noch öde und nervt. was du damit bezweckst, bleibt auch unklar.
vermutlich ist es der wunsch danach, sich wieder - ohne dabei ein schlechtes gewissen zu haben - den klassisch linken themen zuzuwenden, um die richtigen diskussionen der letzten jahre wieder vergessen zu machen. dass antideutsche kaum noch einen einfluss auf die innerlinke diskussion haben, scheint dich ziemlich zu freuen.

Pixel Utopia hat gesagt…

Liebe(r) Anonymus, ich finde deine Behauptungen ja ganz putzig aber verzeih mir, dass ich nicht auf alles eingehen werde. Nur eins: Meine Kolummne ist weniger Ausdruck meiner Freude über das vermeintliche Verschwinden von antideutschen Positionen aus der innerlinken Diskussion, als eine satirische Verarbeitung eben jener Positionen, mit denen ich zu verschiedenen Anlässen, auch in meinem politischen Umfeld, leider immer wieder konfrontiert werde. Nicht dass ich es nicht gutheißen würde, wenn die sogenannten Antideutschen ihren Einfluss restlos verlieren würden. Jedenfalls hätte ich nichts dagegen, wenn die von diesen etablierte lächerliche Völkerpsychologie mitsamt der kulturassistischen Islamkritik einer wirklichen materialistischen Gesellschaftskritik weichen würde, die es tatsächlich nicht nur von sich behauptet, auf der Höhe der Zeit zu sein. Wenn diese ganze elitistische, vom Abgrenzungswut und gleichzeitigem Bekennerwahn getriebene vulgäradornitische Weltverstehertum einer Linken weichen würde, die es mit Selbstkritik tatsächlich ernst meint. Eine Linke, deren Praxis sich nicht auf das Verfassen von im immergleichen Slang verfassten, weitgehend argumentationslosen Pamphleten oder Politikberatung beschränkt. Eine Linke, deren Kritik nicht in Apologie umschlägt und für die Unversöhnlichkeit mehr ist als ein Gestus. Und so weiter. Aber diese Entwicklung zeichnet sich leider bisher nicht ab, auch in anderen Spektren nicht, weshalb mir nichts anderes übrig bleibt, als mich an der Dummheit abzuarbeiten und sie zumindest ab und an hervorzuzerrren. Wenn das irgendwann mal die Scharmesröte in das Gesicht von irgendwelchen Leuten treiben sollte, etwa weil es ihnen auffällt, dass sie sich, statt eine radikale Kritik an gesellschaftlichen Zuständen zu üben, unversehen im politischen Feld des dumpfdeutschen Extremismus der Mitte wiederfinden, wäre mein Ziel erreicht. Wenn es irgendjemand erheitern sollte auch.


Aber tatsächlich habe ich erwogen diese Kolummne einzustellen. Aber nur, weil ich, lese ich die ganzen Böcke die manche ADs fröhlich schießen, man lese nur mal im ADL-Forum, oftmals nicht weiß wie ich das noch parodistisch überbieten soll. Wenn die Realität schon der Worte spottet versagt auch der Humor. Tja.

fortschrittlich hat gesagt…

Nicht einstellen!
I just heart your last antigerman student.

Auch wenn es diesmal ... naja... aktueller und damit selbstverständlich schwieriger ist. ;)

kiturak hat gesagt…

Ich hab an-tigerman gelesen.

Yeah Tigerman woo!

Pixel Utopia hat gesagt…

http://www.gideonstrumpet.org/images/tigerman.jpg

oder

http://www.electronicbookreview.com/ebressays/firstperson/creative/6.2a.JoT_Evy_V00_Tigerman.jpg

?

kiturak hat gesagt…

http://www.internationalhero.co.uk/t/tigerman.jpg

Ich kannte die alle nicht!

Wie schön, dein Blog.

kiturak hat gesagt…

Ist es vielleicht Ant-Tigerman?

http://www.bigchicosmovieblog.com/wp-content/uploads/2009/09/ant-man.jpg

Pixel Utopia hat gesagt…

Merci!

Ist der vielleicht mit dem Antlion verwandt?

http://4.bp.blogspot.com/_R704rAx1qVg/ShcjnMuShTI/AAAAAAAAB9M/7lLdQvKFtqE/s400/antlion-1.jpg

(Soo ein cooles tier!)

Cyrano hat gesagt…

Dass du in einer "Satire" keine Belege bringen musst versteht sich natürlich von selbst. Allerdings krankt das Ganze bereits an den ersten Zeilen:
"Denn Muslim zu sein ist eine politische Entscheidung, eine Entscheidung für die falsche Seite im Kampf von westlicher Vernunft und orientalischer Unvernunft. Letztere erkennt man ja schon daran, dass im Orient die Leute noch heute gesteinigt werden, während man im Westen schon lange auf das humane Mittel der Vergasung zurückgreift."
Dass Muslim zu sein eine "politische Entscheidung" ist und nichts weiter, würde vielleicht der GSP so vertreten, wenn es denen nicht am Axxx vorbei gehen würde, von halbwegs vernünftigen Antideutschen hab ich aber noch nie gehört, dass sie Menschen für die Verhältnisse aus die selbstverschuldete Unmündigkeit (um mal Kant zu strapazieren), die eben so leicht nicht zu durchschauen, und aufg. der verfasstheit der gesellschaft noch schwerer zu durchbrechen ist, nicht selbst befreien. Wenn es um Menschen geht die der Islamistischen Ideologie in Wort und Tat zuarbeiten, ist das sicherlich anders, aber sonst?

Den "Westen" in der Folge auf den NS herunterzubrechen, der schon im Selbstverständnis nun wirklich nicht westlich ist/war, ist dann wirklich schwach. Da verkehrst du /bzw. streichst durch, was immer von Antideutschen zur deutschen Ideologie gesagt wurde, tust so, als könne man Steinigungen (und die sind sicher der ekelhafteste Ausdruck, keinesfalls aber das Gros dessen, was an brutalität etwa das Iranische regime auszeichnet), nicht in der weise Kritisieren, wie es getan wird, weil "der Westen" Juden vergast hat. Das Gegenteil ist der Fall. Weil der Iran (d.h. dessen Führung) keinen Hehl draus macht, dass sie mit den Juden (oder wenigstens mit allen Israelis) ähnliches vor haben, ist die stete Kritik nötig (und bei Kritik bleibts auch nur, weil man sonst im Moment wenig machen kann). Aber wenn du glaubst, die "Antideutschen" hassen die Muslime nicht nur hier, sondern auch noch dort wo sie herkommen, spreche ich wahrscheinlich eh mit der Wand. Bist du wirklich der Meinung, dass Kritik an den Zuständen (nennen wir es lieber "der Hinweis auf die Zustände", Kritik die nicht gehört wird, verhallt), sagen wir in jemen, in Saudi-Arabien, in Gaza, Hass auf Muslime ausdrückt? Vielleicht denkst du dir dass man "die" eben nach ihrer Kultur machen lassen soll, bis "sie" selbst drauf kommen, dass Theokraten und Islamistische Diktatoren auch mal gestürzt werden könnten? Nun, dass würde ich zwar nicht "Hass auf Muslime" nennen, aber zumindest halte ich das für eine traurige Egal-Haltung, als deren Grundlage der Postrukturalismus das "Othering" ausfindig machen würde. Nunja. Eine "wirklich materialistische Gesellschaftkritik", falls du darunter nicht verstehst, dass wir gemütlich alle Phänomene des Überbaus aus der ökonomischen basis Deduzieren sollen, kann nicht wriklich drumrum kommen, den Blick auf regressive Ideologien zu lenken, und dabei gerade denen, die darunter Leiden (und was wie eine Floskel klingt, ist keine: unter dem Islam leiden in erster Linie Muslime, durch Islamistischen Terror sterben in erster Linie Muslime), mit den zugegeben lächerlich bescheidenen Mitteln, die wir haben wenn wir am PC sitzen oder schreiend durch Straßen rennen, gerade durch Kritik der Ideologie zur Seite zu stehen.
Zum Rest hab ich nicht wirklich viel zu sagen. wenn du glaubst, dass du viele Antideutsche kennst/gelesen hast, die etwa neben der "Mauer" Israels auch die in Mexico toll finden, oder auch nur ok (denn bei beiden geht es ja in erster Linie gegen Migration???), dann sei es drum. Vielleicht liest du aber auch nur sehr selektiv...

Pixel Utopia hat gesagt…

Hallo Cryano, willkommen mal wieder auf meinem Blog! Ich werde das hier kurz halten, da ich betrunken bin, kann dir aber kurz meine Inspirationsquellen aufsagen.

Das mit Moslem sein ist eine politische Entscheidung entstammt quasi 1 zu 1 Äußerungen der 3. Welt Saar bei einer Podiumsdiskussion in Mainz mit einer Vertreterin der Exmuslimen, die übrigens um weiten eloquenter und klüger war als die Deppen aus Trier. Damit sollte begründet werden, warum man keinen Unterschied von Alltagsreligion und Islamismus macht. Kannst du mir jetzt glauben oder nicht, sei dir überlassen.

Die Argumentationslinie mit dem Hass auf Muslime geht auf Beiträge zu der Diskussion um das Bekenntnis den Islam zu hassen zurück, dass auf der Linken Buchmesse bei dem Maul-Vortrag gefallen sind. Das Medium fällt mir leider nicht mehr ein.

Aber ja, ich denke dass aus vielen Beiträgen von antideutschen ein uneingestandener rassistischer Hass auf Muslime spricht (kann ich natürlich nicht beweisen, scheint mir aber mehr als evident bei der Art wie Muslime in diesem diskurs homogenisiert und zu pathologischen Wesen herabgewürdigt werden). Aber der eigentliche Punkt ist doch, dass ich nicht glaube, dass man die Ablehnung (deren emotional stärkste Dimension der Hass ist) einer Ideologie von der Ablehung der Personen trennen kann, die diese Ideologie haben oder sie hervorbringen oder deren Handlungsrahmen sie vorgibt.

Vielleicht theoretisch, wenn man den Materialismus wieder auf den Kopf stellt und die ganzen Muslime und Islamisten nur individuelle Repräsentationen einer muslimischen Essenz sind die sie im Hintergrund anschiebt. Das ist zwar dumm und falsch, aber hindert ja trotdem keinen "Ideologiekritiker" daran zu glauben. Aber praktisch geht das schon garnicht. Schließlich kann man eine Ideologie nicht bombardieren, anders als den Iran oder den Irak etwa. Und militärische Schläge zu legitimieren ist ja schon eine Weile ein Teil antideutscher Agitation.

Ich habe in meinem Text gerade diesen Zwiespalt zwischen dem theoretischen (und praktisch wirksamen) Hass und der Behauptung, irgendwelche universellen Interessen der Muslime mit zu vertreten versucht zu thematisieren. Mein letzter antideutscher Student löst diesen Wiederspruch halt rigoros in eine Richtung auf und ist damit fast sympathischer als die ganzen Gestalten die sich ihren Hass noch nicht einmal eingestehen wollen.

Du solltest, fällt mir bei deinen Bemerkungen zu NS ein vielleicht nicht vorschnell deine Lesart, die ja auch nur eine unter vielen Möglichen ist, mit meiner Intension gleichsetzen, die du nur ansatzweise kennen kannst. Tipp: Wo wird bis heute Vergasung von Menschen praktiziert? Aber interessant sind deine Lesarten allemal! Vielleicht muss ich das Ganze das nächste mal noch ein bisschen einfacher machen.

Pixel Utopia hat gesagt…

Übrigens das mit der Unterbau-Überbau-Ableitung ist ein blöder Seitenhieb, sowas verstehe ich nicht unter Materialismus, aber der Modus der Islamkritik geht durchaus in die Richtung, nur dass die Ableitungsrichtung die entgegengesetzte ist...

Und noch was: Das mit der Mauer und Mexiko war eher ein Seitenhieb darauf, dass die Maueranlagen in Israel auch ganz wesentlich der Abwehr von illegaler Immigrationen dienen, wie die Mauer in Mexiko. Ein Fakt, dass in der Regel ignoriert wird, und wenn es denn aufgebracht würde ließe es sich sicherlich auf die selbe zynische und dogmatische Weise rechtfertigen, wie auch der ganze andere Scheiß gerechtfertigt wird: Indem die israelische Staatsraison zum Maßstab der eigenen Kritik gemacht wird. Illegale Einwanderung gefährdet diese, und Israels jüdischen Charakter sowieso. Und deshalb ist die Flüchtlingsabwehr gerechtfertigt. Kann ich mir zumindest vorstellen, du nicht? Ich glaube nicht, dass Antideutsche die Mauer vor Mexiko gut finden und auch du solltest genug Lesekompetenz haben um nicht zu glauben, dass ich das glaube, aber vergleichbaren Argumentationen wie deren ließe sich auch diese Mauer rechtfertigen.

Okay, kurz ist das jetzt nicht. Werd vielleicht deinen Beitrag nochmal lesen wenn ich wieder nüchtern bin. Wenn ichs nicht wieder verbummle, wie deinen letzten langen Beitrag *schäm*

Cyrano hat gesagt…

Ich antworte auch demnächst nochmal länger, jetzt nur kurz zwei Dinge.
1) Gläubig zu sein AUCH als Entscheidung zu betrachten, heißt natürlich erstmal zu würdigen, dass es sich bei Gläubigen Menschen nicht einfach nur um Willenlose Wesen handelt, die GAR nicht anders können ((das widersprich deiner These, dass Muslime pathologisiert würden). Was ich von den "Ex-Muslimen" bisher gelesen habe klang mir nie so, als würden die subtilen und offenen Zwänge, die dafür Sorgen, dass ein Mensch sich innerhalb eines Glaubenssystems verortet, nicht thematisiert. Dass allerdings einzelnen Muslimen dies als "politische Entscheidung" zur Last gelegt wird, habe ich so noch nicht erlebt. Eher eine innerhalb des Status quo verständliche Tendenz dahin, den Glauben als Privatsache zu akzeptieren, und wo er ins Politische drängt ihn zu kritisieren. Gerade die Forderung, dass alles private auch politisch sein soll wird zumindest von den meisten Publizisten, die sich im antideutschen Spektrum bewegen, zurückgewiesen. Ich will gar nicht ausschließen, dass es Ausnahmen gibt.
2) Ich habe mich, nachdem ich hier geantwortet hatte, gefragt, ob deine Formulierung vom "Gas" allein in Richtung der Todesstrafe in der USA intendiert war. Wenn das so ist, finde ich das Beispiel dennoch mehr als unglücklich gewählt, da Tod durch Gas/Vergasung sehr eindeutig konnotiert ist, und du es deinen Lesern sicher nicht vorwerfen kannst, wenn diese Formulierung in erster Linie als Verweis auf den Holocaust gelesen wird.
...
Die Todesstrafe wird, so ich das überblicken kann, aber von beinahe allen Antideutschen und Liberalen auch im "Westen" abgelehnt. Mit Steinigungen wie sie im Iran beinahe ohne effektive Möglichkeiten des Widerstandes, teils Staatlich, teils halbstaatlich vollstreckt werden, würde ich das aber dennoch nicht in eins setzen wollen. Für vom Tod bedrohte Menschen macht es eben einen unterschied, ob langwierige verfahren Widerspürche, revision etc... möglich machen, oder ob man dich ohne Vorwarnung nachts abholt, foltert & vielleicht tötet, ohne dass irgendwer was davon mitbekommt. Es ist nun wirklich nicht nötig einen prinzipiellen Lobgesang auf die liberale Demokratie anzustimmen, um festzustellen, dass das Leben eines Menschen in einer theokratischen Diktatur um ein viellfaches gefährdeter ist.
Ich empfinde deshalb deinen Beitrag, auch wenn er sich als satirische Zuspitzung versteht, als sehr ungelungen.

Ok, doch noch ein dritter Punkt:

"Aber der eigentliche Punkt ist doch, dass ich nicht glaube, dass man die Ablehnung (deren emotional stärkste Dimension der Hass ist) einer Ideologie von der Ablehung der Personen trennen kann, die diese Ideologie haben oder sie hervorbringen oder deren Handlungsrahmen sie vorgibt."

Da bin ich komplett einer Meinung mit dir. Das heißt aber auch, dass eine Kritik der Ideologie, so beißend sie ist (und ja, da zähle ich lächerlich machen etc... absolut dazu), nicht widerum als Hass auf die "Träger" (ja, schreckliches Wort) dieser Ideologie interpretiert werden kann. Allenfalls die, die aktiv an der Verbreitung der Ideologie teilhaben, ist auch personell entschlossen entgegenzutreten. Und wirklich, ich habe noch nicht eine äußerung gelesen, wo Antideutsche Muslimen das Beten verbieten u.ä.

ok, das hier als "kurz" einzuleiten, war verfrüht :)

Gruß

Cyrano

Pixel Utopia hat gesagt…

Hey Cyrano (diesmal bin ich halbwegs nüchtern und habe ich den Namen richtig geschrieben!)

1) Ich denke nicht, dass es in diesem Rahmen überhaupt viel bringt, darüber zu diskutieren ob und inwiefern "Moslem" zu sein eine politische Entscheidung ist, denn ich weiss noch nichtmal was das jetzt genau heißt, Moslem zu sein. Und ich denke, dass die Moslems, die meinen es zu wissen, sich darin durchaus wiedersprechen dürften. Übrigens war es meiner Erinnerung nach nicht die Exmuslimin, die darauf beharrt hat, sondern die 3. Welt Saar Hanseln. Und was die Pathologisierung angeht: schon die Rede von dem irren Selbstmordkollektiv (verzeih, dass ich den genauen Wortlaut nicht nachschlage) oder die Titelillustration zum diesem Maul Buch, oder die Wiltling-Texte zur psychopathologie des Islam... sorry, aber ich finde das alles ziemlich explizit. Und rassistisch.

2) Ich möchte wirklich nicht die Hinrichtungspraxis in der USA und die Hinrichtungspraxis im Iran (wer hat eigentlich angefangen vom Iran zu reden? Ich nicht!) gegeneinander aufwerten, in letzter Instanz finde ich beide abstoßend. Aber ich sehe hierin auch nicht den Punkt an diesem Abschnitt. Was an dieser Stelle passiert ist doch folgendes: Der Student baut eine Dichotomie vom zivilisierten Westen (wo hört der eigentlich auf? gehören spanien und chile dazu? pinochet und franco sind beide nicht so lange her) und barbarischen Orient auf, die er mit dem Beispiel einer besonders grausamen Hinrichtungspraxis (die man übrigens weder durchwegs noch aussschließlich in Ländern mit islamischer Bevölkerung findet) illustriert - ein typisches Verfahren. Und dass er der Steinigung ausgerechnet die barbarische Kulturtechnik der Vergasung gegenüberstellt, zeigt wie brüchig eine solche Dichotomie ist, um so größer der historische vergleichsrahmen, um so mehr, und wie sehr sie, nüchtern betrachtet, den Verdacht erweckt eine Projektion zu sein. Letztendlich geht es doch darum, dass schon diese Dichotomie letztendlich kulturelle Essenzialismen aufbaut und einen Blick darauf verstellt, welche sozialen Prozesse und Transformationen hinter beispielsweise Steinigungen stehen, die, obwohl sie heute als Marker des "rückständigen Islams" schlechthin darstehen, erst im 20. Jahrhundert tatsächlich regelmäßig praktiziert wurde.

3) Um gleich den Holzhammer auszupacken - ich wüsste nicht, dass der Nationalsozialismus den Juden das Beten verboten hätten. Dass ein solches Bestreben nicht vorliegt, spricht niemanden von rassitischem Hass frei. Aber das sollte ja nur eine Illustration deines Argumentes sein. Natürlich muss Kritik nicht unbedingt Hass implizieren, aber wenn man zum Beispiel Grigat folgt, der "dem Islam" (was auch immer das ist) Weltherrschaftsambitionen (als wäre eine Ideologie ein Subjekt) unterstellt, dann haben wir es hier doch mit einem ziemlichen Monster zu tun. Und ist einem solchen Monster gegenüber, dass (so die Islamkritik) Geschlechterapartheit (Anderswo ist man bezüglich der Verwendung des Wortes Apartheit ja sehr empfindlich) und Judenvernichtung fordert, Hass nicht die angemessenste empfindung? Ich finde ja! Und wie ist jetzt der Status der Muslime? Entweder die Muslime sind Protagonisten der Ideologie, dann sind sie als Täter hassenswert. Oder die Ideologie wirkt quasi durch sie hindurch, dann sind sie als individuelle Repräsentationen eines überindivduellen Übels hassenswert. Und ob jetzt offen von Hass geredet wird oder nicht, einen solchen sehe ich, genau wie Rassismus, durchaus im antideutschen Diskurs wirksam. Und wenn man so weit geht, ein imaginiertes Kollektiv quasi zum Abschuss freizugeben, bzw. diesen Abschuss apologetisch Vorbereitet, dann ist die Frage nach dem Hass meiner Ansicht nach auch schon überflüssig.

Die Zeit vergeht so schnell beim Schreiben, jetzt ist dein Aufschlag!

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