Mittwoch, 24. November 2010

Kurz Notiert: Kleine Anekdote zu Alltagsrassismus

Vor ein paar Jahren, als ich noch in Berlin lebte, war ich abends allein mit dem ÖPNV unterwegs. Als ich umsteigen wollte - den Namen der Haltestelle habe ich vergessen - umringten mich eine Gruppe junger Männer mit hochgegelten Haaren und teils in Muscleshirts. Am weitergehen gehindert und durch das Massenhafte auftreten eingeschüchtert wurde mir vorgehalten, dass ich mit meinen Haaren wie eine Frau und überhaupt sehr unmännlich aussehe und dass ich wohl schwul oder sonst was sei. Der begleitende Tonfall verriet, dass die Sprecher irgendwie weiblich oder schwul auszusehen für etwas ziemlich schlimmes hielten. Ich ließ die Provokation an mit abprallen und die Gruppe verlor dann auch das Interesse an mir. Lediglich einen kleinen Schubs bekam ich verpasst, als die Typen in einer Schwarmbewegung in Richtung ihrer eingefahrenen S-Bahn abzogen.

Später erzählte ich einem Freund von dem nicht besonders angenehmen Erlebnis. Sein Kommentar dazu fällt mir dem Wortlaut her nicht mehr ein, dem Sinn gemäß war es jedoch eine ironische Bemerkung zu dem, was im gegenwärtigen Diskurs wohl migrantisch-muslimische Männerkultur heißen würde. Ich stockte. Mit keinem Wort hatte ich in meiner Schilderung erwähnt, es handle sich um eine Gruppe von migrantischen oder muslimischen Jugendlichen. Das zu glauben hatten sie mir nämlich nicht den geringsten Anlass gegeben - weder vom Aussehen her (der Anführer war sogar blond) noch von der Aussprache, die eher nach autochontem Berliner, als nach von wo auch immer her Zugezogenem klang.

1 Kommentare:

turblog hat gesagt…

sehr schöne anekdote, erinnert an selbst erlebtet