Dienstag, 18. Januar 2011

Kurz Notiert: Zum Verhältnis von Islamophobie und Antisemitismus

Die hiesigen (post?)antideutschen Diskursverwalter in Sachen Antisemitismuskritik bestehen darauf, dass antimuslimischer Rassismus und Antisemitismus zwei völlig voneinander geschiedene Dinge seien. So beruhe Antisemitismus, ganz knapp dargestellt, darauf, dass die Angst vor undurchschauten gesellschaftlichen Prozessen innerhalb der modernen Gesellschaft auf eine Gruppe projeziert werde, die in Folge als allmächtige Bedrohung erscheint. (Antimuslimischer) Rassismus, wenn dessen Existenz nicht ganz geleugnet wird, sei dagegen eine Projektion anderer Art: Der antimuslimische Rassist sehe in dem Islam nicht die Kraft, die mittels der (verjudeten) Moderne die vermeintlich naturwüchsige Volksgemeinschaft zersetzen wil, sondern drohe diese mit seiner Rückständigkeit auf ein niederigeres Kulturniveau zu versetzen. Ausserdem fehlten angeblich die Allmachtsprojektionen, was angesichts eines Diskurses, in dem einzelne Muslime als Agenten einer kollektiven globalen Islamisierungsstrategie betrachtet werden, natürlich ziemlicher Unsinn ist. Abgesehen davon, ist es für einen gestandenen Antisemitismuskritiker wie Grigat natürlich klar, dass "der Islam" tatsächlich die Weltherrschaft anstrebt, was natürlich keine Projektion sein kann.

Wie so häufig bei falschen Argumenten liegt der Fehler nicht (nur) in falschen Schlussfolgerungen, sonden auch in falschen Prämissen. Denn der Antisemitismus des 3. Reichs etwa besteht durchaus nicht (nur) darin, dass sich eine Bedrohung durch den allmächtigen, modernen, intellektuellen, traditionenzersetzenden Juden herbeiphantasiert wird. Auch die Bedrohung durch den kulturell minderwertigen, rückständigen, hässlichen, unhygienischen, tierhaften Juden kennt der Antisemit. Und wer daran zweifelt, soll sich einfach mal "Der Ewige Jude" anschauen, vor allem die Aufnahmen im Warschauer Ghetto.

Statt wegen einzelnen Unterschieden ein vollkommen verschiedenes Wesen von Rassismus bzw. Islamophobie und Antisemitismus zu behaupten wäre anzuerkennen, dass es weder den einen Antisemitismus oder den einen Rassismus gibt, sondern verschiedene Rassismen mit Parallelen und Divergenzen.

2 Kommentare:

Stephanos hat gesagt…

Deine Texte sind sehr interessant! Allerdings schmerzt es etwas, selbige in weiss auf schwarzem Hintergrund zu lesen. Meinst Du, Du könntest das ändern?

Pixel Utopia hat gesagt…

Hey! Danke für das Kommentar! Allerdings habe ich mein Theme irgendwie lieb gewonnen... eigwentlich wollte ich meine Beiträge auf http://pixelutopia.blogsport.eu/ spiegeln, doch wegen der mangelnden Resonanz konnte ich mich dann noch nicht dazu motivieren....