Montag, 4. April 2011

Ganz schnell notiert: Israelsolidarische Antifa - Deppen Highscore

Die Provinzantifa Warnemünde ( http://warnemuende.blogsport.de/ ) will intervenieren "gegen den aufklärungsfeindlichen Rotz, der auf den Seiten der deutschen Linken in Rostock und darüber hinaus verbreitet wird". Wozu, darf man sich fragen, wenn die Linke sowieso der Faschismus ist und man Faschismus bekanntlichermaßen mit Bombern bekämpft und nicht mit Worten. Die narzistische Sehnsucht zumindest als Rufer in der Wüste der ignoranten Welt seine Wahrheiten ex cathedra zu Verkünden scheint größer zu sein als die Befähigung sein eigenes Handeln nach seinen logischen Grundlagen zu hinterfragen. Doch egal! Als niederträchtiger Lustfeind gönne ich der Antifa Warnemünde ihren infantilen Spaß nicht und werde mich nun 20 Minuten damit befassen den Rotz den sie über ihren Blog verbreiten, genauer gesagt ein von der Berliner Antifa Gruppe "AANO" übernommenes Manifest, auseinanderzunehmen. Und dabei werde ich sogar Spaß haben!

Aktualität faschistischer Gefahr:
1. Die Idee des Faschismus gibt sich nicht mehr die Form des Nationalismus, sondern ist internationalistisch.

Es gibt keinen vernünftigen Grund dies anzunehmen - Rassismus und Nationalismus sind auch im 21. Jahrhundert noch die Fundamente des Faschismus bzw. faschistischer Tendenzen. Wer internationale Zusammenarbeit von Faschisten als Internationalismus begreift, hat den Internationalismus nicht verstanden und müsste ferner konstantieren, dass der Faschismus schon immer internationalistisch war, denn die Allianz von faschistischen Potentaten gehört fest zur Geschichte des Faschismus. Deppenscore +1
2. Ein zweites Auschwitz oder ähnliches ist möglich. Eine andere Welt dagegen nur, wenn man sich des “Augenblicks der Gefahr” (W. Benjamin) bewusst ist. Insofern ist nach Auschwitz der Marxsche Kategorische Imperativ von der Umwälzung aller Verhältnisse, “in denen der Mensch ein erniedrigtes, ein geknechtetes, ein verlassenes, ein verächtliches Wesen ist”, nur aufrechtzuerhalten, wenn man den Kategorischen Imperativ Adornos, “Denken und Handeln so einzurichten, dass Auschwitz nicht sich wiederhole, nichts Ähnliches geschehe”, als die notwendige Umstülpung des Marxschen begreift.

Hachjeh. Kann ich nicht doch ein bisschen Holocaust zu meinem Kommunismus haben? Das hätte ich so gerne, wisst ihr. War mir garnicht klar, dass nicht zusammengehört, man könnte fast meinen, die Shoah sei nicht von den ganzen anarchistischen und kommunistischen sozialrevolutionären verübt worden und man hätte diese nicht zusammen mit den Juden vergast und erschossen. Deppenscore + 0.5
3. Der Islamismus ist die große faschistische Gefahr.
Was sie und ihre Freunde von Islamismus verstanden zu haben glauben ist eine Mischung aus antiquirierter Faschismustheorie mit dubioser Massenpsychologie und Orientalismus vermengt. Deppenhighscore + 1
1. Nach Auschwitz spricht mehr dafür, dass Revolution nicht die Lösung ist, sondern die “Endlösung”.

Eine absolute Verhöhnung von revolutionären Bewegungen und Revolutionären nach 45. Symptomatisch ein Spektrum, dass sich eher auf die Seite Pinochets als Allendes stellt. Indiskutabel. Deppenscore +2
2. Der antisemitische Vernichtungswahn trifft keine zufällige Objektwahl, sondern notwendig “die Juden”.
Wen soll "antisemitischer Vernichtungswahn" auch sonst treffen? Redundand sentence is redundant. Oder soll impliziert sein, dass Vernichtungswahn generell antisemitisch sei? Die Schwulen, Behinderten, Kommunisten, Sinti, Roma usw. waren wohl nur Kollateralschaden... Deppenscore +2
Das wichtige Diktum, dass der Hauptfeind im eigenen Land steht, ist davor zu bewahren, dass es zum Argument der Ignoranten verkommt, die es sich mit ein bisschen Antisemitismuskritik da und ein bisschen dort in Deutschland gemütlich gemacht haben. Das gilt umso mehr, weil der Hauptfeind sich auf den globalen deutschen Weg gemacht hat, dem es weltweit selbigen zu versperren gilt.

Es geht gegen den Hauptfeind im eigenen Land aber nicht mit jedem vor allem geht es darum, dass wir wir bleiben, das heißt die selbstmarginalisierenden Alleschecker von der finsteren Schulhofecke. Kritik ist einfach nicht mehr hip wenn sie von genug leuten geteilt wird. Wir machen es uns nicht bequem, weil wir uns ständig bemühen müssen Abstand zum Pöbel zu halten! Deppenscore +1
4. Grundbedingung des Konzeptes Antifa ist die Forderung nach Waffen für Israel. Alle andere Israel-Solidarität ist Quark.

Sachen zu fordern, die noch noch nicht Realität sind ist einfach zu bequem. Wir fordern statt dessen Dinge die längst Realität sind. Das kennzeichnet eine Kritik auf der Höhe der Zeit! Deppenscore +1
5. Antifaschismus kann nur wirkliche Solidarität mit dem jüdischen Staat Israel bedeuten und nur eine Israel-Solidarität wirklicher Antifaschismus sein.
6. Es gibt keinen dritten Antifa-Weg, sondern nur einen Antifaschismus für Israel mit Sympathie für die USA.
Wo kämen wir auch hin ohne unseren Ersatznationalismus? Die ruhmreiche Tradition des Antifaschismus der Solidarität mit autoritären Formationen, inklusive der Relativierung von Menschenrechtsverletzungen und Gewalt, wenn sie der "eigenen Sache" dient, sowie Bekenntnisfetischismus dürfen nicht aussterben! Deppenscore +2
7. Eine Antifa, in der es cool ist, Palitücher zu tragen, kann es nicht geben. Sie wäre zugleich ihre eigene Anti-Antifa.
Genau, denn ganz ohne Kleiderordnung und Modeterrorismus ist noch keine identitäre Bewegung zu sich selbst gekommen! Deppenscore +1
1. Die Grenzen verlaufen nicht zwischen oben und unten, sondern zwischen american way of life und deutschem Weg.
Genau, Herrschaft ist irrelevant, antagonistisch stehen sich Ideologien gegenüber! Was für eine passende Ideologie für ein paar mittelständische Akademikerkinder, die sich dann nicht mehr mit ihren Privilegien innerhalb der globalen Klassengesellschaft beschäftigen müssen. Wie schön, dass man kein deutsches Privileg aufgeben muss, um Antideutsch zu sein. Dass der American Way of Life sich gerade selber aufisst, mit wachsendem Massenelend und rückgehenden Lebenserwartungen speziell in den USA braucht man nicht zu reflektieren, hauptsache der Projektor läuft immer gut. Und sich Deutschland als eine Kraft vorzustellen, die im Gegensatz dazu stünde erfordert schon viel wahnhafte Energie. Deppenscore +2

2. Entweder kulturelle Vielfalt und Artenschutz oder Festhalten am kommunistischen Diktum des Menschen als Maß aller Dinge.

Ah, falsche Gegensätze, hatten wir noch nicht genug in diesem Text. Deppenscore +1
3. Die deutsche Wunderwaffe nach Auschwitz ist der antiimperialistische Frieden, der in seiner Langzeitwirkung bedrohlicher ist als jede militärische Intervention. Die einzige wirksame Maßnahme gegen dieses deutsche Kampfmittel ist der american way of life, der ein Bild vom Menschen vermittelt, das diesen nicht auf seine natürliche Ethnie und Kultur reduziert, sondern den universellen Gedanken des Kosmopolitismus hochhält.
Dieser Leif scheint ja geradezu ein Messias zu sein. Wo wohnt der eigentlich, vielleicht kann er per Handauflegen ja auch meine Pissbeschwerden heilen. Sowas wie rassistische Ausgrenzung bzw von Minderheiten oder ihre Reduktion auf ihre Herkunft gibt es natürlich in den USA nicht, das verhindert der Leif. Und wenn doch, dann sind das bestimmt die Nachfahren der ausgewanderten Deutschen. Ist schon ganz schön praktisch, dass die Deutschen mit antiimperialistischem Frieden in Afghanistan Krieg führen können! Deppenscore +1

So, hab meine selbst gesetzte Zeit überschritten und Besuch bekommen, daher wird jetzt nur noch einzelnes rausgepickt:

7. Es gibt schlimmeres als die “normale” maßlose Verwertung, die maßlose Vernichtung. Gerade weil das Konzept Antifa ein kommunistisches ist, begreift es den Antifaschismus als die Rettung der Restbestände des Bürgerlichen und nicht als Radikalität, um so die Bedingung der Möglichkeit des Kommunismus überhaupt aufrechtzuerhalten.

Statt das Bürgerliche gegen seine vermentliche faschistische Aufhebung zu mobilisieren, als handle es sich um klar geschiedene Gegensätze, sollte sich die Antifa mal gedanken machen, in welchem verhältnis bürgerliche Gesellschaft, Aufklärung, Rassismus und Faschismus zueinander stehen. Deppenscore+1

10. Das postmoderne Differenzgeschwätz über sogenannte Sprechorte, Plotstrukturen, Mächte, Fluchtlinien etc. und der damit verbundene Wahrheitsverzicht ist Teil des antiantifaschistischen Problems.

In der Tat, ein Problem für die Antifaschisten, könnte es doch einen Ansatz zur Selbstkritik leisten, aber nein, das könnte doch die selbstgefällige Weltversteherpose stören. Deppenhighscore +1

Glückwunsch liebe AANO, euer Deppenhighscore beträgt: 17,5 !

16 Kommentare:

SP hat gesagt…

"Nach Auschwitz spricht mehr dafür, dass Revolution nicht die Lösung ist, sondern die “Endlösung”."

Ich würde behaupten, daß das einer der schwach- und wahnsinnigsten Sätze ist, die je zusammengebrabbelt wurden.

mondoprinte hat gesagt…

Fulminanter Text - und ein gerüttelt Maß an Masochismus dabei, hm ;-)?

Forty hat gesagt…

"Die Grenzen verlaufen nicht zwischen oben und unten, sondern zwischen american way of life und deutschem Weg."

Für diesen gnadenlosen Unfug, der mich ein wenig zweifeln lässt ob das Ursprungspamphlet aus "Warnemünde" (where the fuck?) nicht doch satirisch gemeint ist, hätte ich ja einen zweistelligen Deppenhighscore vergeben.

Aber Danke für die Mühe, die du dir mit diesem Highlight aus der antideutschen Wahnwelt gegebne hast. Solche Perlen dürfen nicht verloren gehen.

Pixel Utopia hat gesagt…

@ Mondo : Vielleicht - ich scheine es nicht lassen zu können an den Mülltonnen zu schnüffeln.

@ Forty : Gerne geschehen. Das Original kommt nicht nicht aus Wahnemünde sondern aus Berlin. Besser macht es das natürlich nicht.

fortschritt hat gesagt…

Naja, an manchen Stellen machst du es dir echt zu einfach.

Forty hat gesagt…

Wer lesen kann ist klar im Vorteil, das mit Berlin steht ja über dem Text, auch wenn der Haufen sich natürlich AANO und nicht ANNO abkürzt.

Wobei Wahnemünde sehr treffend ist ;-)

Pixel Utopia hat gesagt…

@ fortschritt

Meinst du? So hilft mir die Bemerkung allerdings auch nicht weiter.

@ Forty

Ah, danke für den Hinweis, ich verbessere den Fehler sofort.

Pixel Utopia hat gesagt…

fortschritt hat auf seinem Blog meine (ja recht knappe) Kritik an ein paar Stellen kritisiert. Ich habe darauf wieder etwas entgegnet: http://fortschritt.blogsport.de/2011/04/05/auch-schnell-notiert-israelsolidaritaet-in-warnemuende/

Anonym hat gesagt…

warum nimmst du keinen text von anderen autoren, welchen du zuschreibst, antideutsch zu sein? vielleicht einen mit mehr anspruch? dann sind vielleicht auch mehr als zwanzig minuten notwendig, um sich mit ihm auseinanderzusetzen... sich so einen unsinn heraussuchen, um dann daran sein bedürfnis nach "antideutschen-bashing" auszuleben, ist auch nicht so'ne leistung, zudem gehst du auch nicht bei allem konkret auf das inhaltliche ein bzw zeigst auf, warum das unsinn ist... postmodern gesehen, solltest du doch auch nicht so ein problem damit haben, wenn andere so ein unsinn von sich geben - sind doch alles nur diskurse an verschiedenen orten etc, wer will denn da noch unterscheiden, was nun vernünftig ist und was nicht?!

Pixel Utopia hat gesagt…

Liebe(r) Anonymous.

Wenn du dir meinen Blog anschaust, dann wirst du feststellen, dass ich durchaus anspruchsvollere, oder sagen wir, weniger offensichtlich verrückte texte vornehme.


Aber ich finde es süß, wie dein holzschnitthaftes Feindbild der "Postmoderne" durchscheint. Wer nicht immer nur Strohmänner verbrennen will, sollte sich mal ein bisschen damit beschäftigen was Foucault oder Butler tatsächlich gesagt haben. Dann sollte auch deutlicher werden, dass es z.B. "nur Diskurs" nicht gibt.

Anonym hat gesagt…

butler - hamas und so, oder?

Anonym hat gesagt…

foucault - islamische revolution und so, oder?

Pixel Utopia hat gesagt…

Wie ich sehe, bist du erfolgreich auf den erwünschten Beissreflex trainiert worden.

Anonym hat gesagt…

und wie ich sehe, scheint es kein zufall zu sein, dass diese beiden theoretikerinnen, die du zuvor exemplarisch als postmoderne denkerinnen genannt hast, keine probleme mit antiemanzipatorischen, ja reaktionären projekten hatten bzw haben - hat vielleicht etwas mit "postmodernem denken" zu tun?
aber was soll's, wir beiden werden uns inhaltlich wahrscheinlich sowieso nicht näher kommen.

Pixel Utopia hat gesagt…

Allein, dass du diese Debatte überhaupt auf dieser personalisierenden und anekdotenhaften Ebene führen willst, zeigt wie gering deine Bereitschaft ist, sich mit den entsprechenden Inhalten auseinanderzusetzen. Dabei könnte man die Argumentation jederzeit umdrehen: Nenne mir deinen Ölgötzen und ich nenne dir seine krassen Fehleinschätzungen und seine Verwicklung in reaktionäre Diskurse! Hegel? Staatsgläubiger Rassist. Marx? Seine private Korrespondenz mit Engels fasse ich nur mit der Kneifzange an! Adorno? Stichwort: "Negerjazz" und was der gute Mann so über Homosexualität geschrieben hat... Horckheimer? Fuck yeah, Vietnamkrieg! Von den heutigen EDL-Abfeierern braucht man garnicht erst anzufangen, bei denen gibt es nichts wertvolles, dass vom Ressentiment abzutrennen wäre, sie verkörpern vielmehr das Ressentiment.

Anonym hat gesagt…

du hast freud vergessen, das lesen diese "antideutschen" doch auch...
was die "edf-abfeierer" angeht, so habe ich ihnen auch nicht viel abzugewinnen.
man sollte sich aber auch nicht davor verschließen, dass all diese nun in mode gekommenen theorien, z.b. postcolonial studies, critical whiteness u.s.w., auch ziemlich daneben sind, sie sogar die spaltung der menschen vorantreiben - genauso all die vermeintlichen, sich explizit als solche benennenden antirassistinnen und antisexistinnen. das ist eine ziemliche freakshow, emanzipatorisches findet sich da kaum. da sind mir old school-linke lieber...